Rezension Intro 05/02
Fred is Dead: Greatest Hits
(Hausmusik / Indigo)
Ich höre diese CD mit einem verflucht teuren HiFi-Studiokopfhörer, den ich zufällig ausgeliehen hatte, und das erinnert mich an eine Szene in Wolfgang Petters' Musikzimmer, als wir ihn vor ein paar Jahren besucht hatten. Dort stand ein alter Lehnstuhl mitten im Raum und, wie es die Regeln der Stereophonie vorschreiben, im 60-Grad-Winkel dazu ein Paar teuer aussehende Boxen, genau dazwischen ein ebenfalls teurer Plattenspieler. Darüber an der Wand hing eine golden angesprühte Platte: Der erste Hausmusik-Sampler. Zehn Jahre alt, genauso wie Fred Is Dead. Fünf Alben, und jetzt: Fred Is Dead is dead. In-Deutschland-verstreut-sein wird als Grund genannt. Wolfgang Petters, Marion Gerth, Katja Raine und Florian Zimmer (außerdem bei Iso68 und Lali Puna tätig) wohnen in aller Herren Städte, jedenfalls nicht mehr in Landsberg am Lech. Fred Is Dead irgendeinen Stil zuzuordnen, und das hört sich so an wie aus den Bandinfos zigtausender Newcomerbands, ist aber anders gemeint, ist schwierig. So als würde man alle Projekte, in denen Elektromeister Wolfgang Petters mitmacht (wie sein Soloprojekt A Million Mercies und die Lärm-Allstarband Village Of Savoonga) unter einen Hut bringen wollen. In seinem Plattenregal stehen übrigens ca. 20 cm Johnny Cash. Die ganze Diskografie von Fred Is Dead wimmelt von Zitaten musikalischer und auch literarischer Art. Letzteres so geschickt und subtil, daß man immer denkt: Das hab ich doch schon mal gehört, aber wo? Oder doch nicht? Das Vorgängeralbum "Mosaic" hatte starke Bossa-Nova-Einflüsse, war sehr zurückgelehnt und wurde in einem Ferienhaus in Lido di irgendwas aufgenommen. Die neue in einem Keller in München. Und neu ist sie wirklich, "Greatest Hits" bezieht sich nicht auf die Lieder, sondern allerhöchstens auf die verschiedenen Stilrichtungen, die es in der Geschichte von Fred Is Dead gab. Ein gar nicht geschlossenes Album, mit seinen 37 Minuten kurz dazu, mit 8 unbekannten Hits. Manchmal punkig mit trashig verzerrten Gitarren, manchmal verträumt-folkig, manchmal mit Männer-, manchmal mit Frauengesang. "Margin" verbindet das alles auf wunderbare Weise, Micha Acher spielt Trompete und zusammen mit Kontrabaß und Schrammelgitarre denkt man fast an die erste Calexico-Platte. Bis dann im letzten (im allerletzten) Lied endlich Johnny Cash zum Vorschein kommt und, untermalt vom einer alten Orgel und Händeklatschen, stellvertretend für uns, fragt: "Why do you turn?" Und das ist einer dieser ganz, ganz großen Momente. (mawe)