fred is dead: greatest hits
release 01.05.2002





Ja ja, Fred is DEAD, aber - diesmal machen sie ernst. Die Allstar-Band mußte unbedingt Bayern mit Berlin und Hamburg verbinden - mit deutschsprachiger Reimerei, und dem starken Wunsch der Gitarre, regelmäßig an ihrem Geburtstag auf außerbayerischen Bühnen zu spielen, fing es an - die Bayernflucht von Baß, weiblichem Gesang und Keyboard, besiegelte es. Was sich seit der letzten Platte "Mosaik" geändert hat: Hofstetten spielt und singt jetzt in Berlin, München lebt in Hamburg. Und Landsberg und Würzburg gehen in München ihren musikalischen Zweit-, Dritt- und Viertprojekten nach. Klar, daß das, was sich zehn Jahre "tot" nennt und dabei fünf Platten hervorbringt, nicht von einer Sekunde auf die andere sterben kann. Und so traten Gitarre, Baß, Schlagzeug, Keyboard, Elektronik und drei Gesänge auch noch mal in München zum gemeinsamen Todeskampf an. Unterstützt und bestärkt von Kontrabass, Jay Rutledge, Trompete, Micha Acher, und Percussion, Carl Oesterheld.
Ergebnis: der musikalische Nachruf "Greatest Hits". Schon das Cover nimmt vorweg: Es gibt nur einen Ort, an dem man sich beim Hören der kürzesten und intensivsten LP dieser Band befinden kann: Im Himmel. Beim siebten Stück sogar im siebten. "Drawning by numbers", um Peter-Wolfgang-Greenaway-Petters zu zitierern, der die altbewährte Taktik der Selbst- und Fremdzitate jetzt an die Grenze der Belastbarkeit treibt, sogar bei Paulchen Panther klaut, und dennoch glaubwürdig und petters-poetisch bleibt. Nicht nur Petters bleibt beim Bleiben: Das gesamte Rezept der 37 Minuten-Platte scheint banal: Potenziere dein altbewährtes Potential! Aber eben diese Potenzierung des typischen Melancholie-La-La-La-Li-Agonie-Ironie-Potentials macht "Greatest Hits" so einzigartig: größere Herzen, weitere Songs, stärkere Wehmut und lässigere Lakonik könnte eine nächste Platte einfach nicht mehr hervorbringen. Die Band, die sich nie für eine Richtung, einen Style entscheiden konnte, und somit wirklich auch kein anderes, kein geringeres als das Hausmusik-Label verdient hat, grast zum lezten Mal die Weiden ihrer musikalischen Sozialisation, ihrer unerschöpflichen Eigenimpulse ab, und bringt dabei erstaunlich viel neues altes hervor. "Regression" hat fast die Wut, sicher aber die distortion der Wipers. Singen kann Petters nicht, und gleichzeitig kann er klingen wie Mark E Smith. Zwischen der Lässigkeit eines Feelies LP (Why do you turn?) und der charmanten Verspieltheit von Neu! ("Anything else") wird unsere Seele mit der Percussion von Carl Oesterheld auf einen archaisch-knarzig-brarzigen Klanghölzer-Bazar getrieben, unsere Ratio, Titel und Text von "Fortschritt" aber schreien: hiergeblieben, und wir hören: "Verflucht sei die Efindung, denn das Telefon täuscht vor, es sei die kürzeste Verbindung, von meinem Mund zu deinem Ohr" - kennen wir das nicht - so oder so ähnlich - von irgendwo her? Egal, wir wollen mehr. Und das bekommen wir auch.
Wenn das Gesangsduo Raine-Petters auf "Margin" Meilen über Kidmann-Williams schwebt, und uns Achers Trompete dann noch über die Wolken erhebt, sind wir endgültig angekommen, im siebten Himmel. Und so lieblich-nett das Abschlußstück auch dahinswingt, im Grunde ist es die Enttäuschung, die da aus unserem Herzen singt: "Why do you turn" away from me, Fred is dead? Nach "Greatest Hits" bleiben "Fred is dead" auf eigenen Wunsch für immer stumm. Aber: falls sie sich doch noch umentscheiden sollten, wir sind auf jeden Fall dabei!

text von : katja huber

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